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Schwarzer Adler

Schwarzer Adler

 

Hallo liebe Besucher,

ich möchte Euch hier eine Geschichte erzählen. Es ist meine Geschichte, und ich bin der schwarze Adler.

Ich wurde am 18.6.1978 in Neu-Ulm auf einem Bauernhof geboren. Meine Mutter ist kurz nach der Geburt gestorben und ich wurde mit der Flasche aufgezogen. Als ich erwachsen war, hat mich mein damaliger Besitzer an eine Frau verkauft und dann hatte ich ganz, ganz viele Besitzerinnen und Besitzer.

Meine jetzige Chefin hat mich auf dem Hof entdeckt, auf dem auch ihr eigenes Pferd stand. Und dann stand sie ganz oft an meiner Box und war meinem beeindruckendem Äußeren völlig erlegen. Sie hat mir damals erzählt, dass sie mich, wenn sie nicht schon ein Pferd hätte, sofort kaufen würde. Mein Besitzer hat sie dann immer mal auf mir reiten lassen und da war sie noch viel mehr beeindruckt, denn ich war ein richtiger Kracher im Parcour. Eines Tages, im September 1988 haben sich die beiden über Geld unterhalten und kurz darauf kam ich auf dem Hof in ein anderes Stallgebäude.

Ich war dort sehr agressiv und bin auf jeden losgegangen, der es gewagt hat, seinen Kopf in meine Box zu stecken. Meine Chefin war damals ganz verstört als ich sie so empfangen hatte und stand ratlos vor meiner Box. Da hat sie dann auch ein Bereiterlehrling gefunden, der auch mich geritten hatte. Der sagte, dass man mir das Halfter erst einmal um die Ohren hauen und sich mir gegenüber ordentlich durchsetzen müßte. Meine Chefin gab zu bedenken, dass sie bis vor kurzem auch ohne Halfter zurechtgekommen wäre. Aber der Lehrling sagte ich wäre ein Schlitzohr und das Halfter würde auf keinen Fall schaden und demonstrierte auch gleich die Handhabung. Ich war nach dieser Therapie erst einmal sehr beleidigt, habe mich aber aufhalftern lassen. Meine Chefin musste mir das Halfter übrigens nicht mehr um die Ohren schlagen, dass ich aber jahrelang die Ohren beim Halfter anziehen angelegt habe war Ehrensache.

Zu dieser Zeit hat meine Chefin eine andere Reiterin dabei beobachtet wie sie mit ihrer Reitgerte gegen die Gitter meiner Box schlug, während sie daran vorbei ging. Ich bin dann sofort gegen die Tür gesprungen, aber sie ging nicht auf. Meine Chefin hat dann mit der fremden Reiterin geschimpft und von ihr verlangt sie solle damit aufhören. Aber ein paar "Pferdefreunde" haben es trotzdem weiterhin getan, wenn sie sich unbemerkt glaubten.

Mit dem anderen Pferd von der Chefin habe ich mich von Anfang an gut verstanden. Sam wollte gerne der Boss sein und ich hatte nichts dagegen. Er war ein 9-jähriger Trakehnerwallach. Sie hatte ihn ein Jahr zuvor gekauft. Sam war ihr erstes Pferd. Er war ein verwöhnter Bursche und mochte das Heu nicht fressen. Er wurde ganz dünn und das gefiel unserer Chefin nicht. Die Betreiber des Pensionsstalls sagten, das käme davon, dass sie ständig mit Sam im Gelände unterwegs wäre. Unsere Chefin sagte, dass es wohl eher am schlecht riechenden Heu liegen würde. Ich fand das Heu gar nicht so schlecht und die meisten anderen Pferde haben es auch gefressen.

Ich durfte von jetzt an auch mit Sam zusammen auf die Koppel. Hui, das war lustig! Wir haben uns im Sand gewälzt und sind die Koppel rauf und runter gejagt. Wenn unsere Chefin uns dann wieder in den Stall holte, nannte sie uns Dreckspatzen und Schweineigel.

Als ich ca. 4 Wochen bei ihr war, hatte ich einen Unfall auf der Koppel. Sie kam abends um uns reinzuholen und da hat mein linkes Hinterbein so furchtbar weh getan. Ich konnte nur ganz schlecht auftreten.

Später als der Tierarzt mich dann untersucht hatte, sagte er ich hätte die Sehne über dem Sprunggelenk durchgerissen. Er könnte es sich nur so erklären, dass ich beim Galoppieren wohl in ein Loch getreten wäre und das Bein mit viel Schwung herausgezogen haben musste.

Ich durfte nicht mehr in meiner Box stehen, sondern musste in ein enges Ding, dass Ständer genannt wurde. Dann hat mich meine Chefin ewig lange stehen lassen, und mein Bein mit einer gräßlichen Flüssigkeit eingerieben. Mein Fell ist ausgegangen und es hat auf meiner Haut gebrannt. Ich habe nach einer Weile versucht jedne zu beißen oder zu treten, der in meinen Ständer kam. Irgendwann durfte ich dann endlich wieder raus. Mein Bein hat auch gar nicht mehr geschmerzt. Aber anstatt mich wieder auf der Koppel rennen zu lassen, durfte ich nur nur ein bisschen in der Stallgasse auf und ab gehen. War das vielleicht langweilig! Aber immerhin durfte ich wieder in meine alte Box zurück.

Als ich nach einiger Zeit wiederhergestellt war bekam ich keine drei Monate später eine Sehnenentzündung am linken Vorderbein. Es gab wieder eine ähnliche Prozedur nur durfte ich diesmal in meiner Box bleiben und mit diesem Blister blieben mir auch alle vom Leib.

Ungefähr zur selben Zeit fing mein rechtes Auge an zu tränen und ich konnte nicht richtig auf ihm sehen. Der Tierarzt stellte fest, dass ich auf dem rechten Auge mondblind sei. Die Chefin flüsterte mir, als er wieder weg war, ins Ohr ich wäre der schönste einäugige Plattfuss, den sie je gekauft hätte. Als unsere Chefin eigenen Nachwuchs bekommen sollte, war da ein Mädchen, das Sam und mich eine zeitlang reiten sollte. Da sagte aber die Frau vom Pensionsstall, dass das nicht ginge. Unsere Chefin sollte uns in Beritt geben. Da hat die Chefin vor der Frau mit den Armen gefuchtelt und sich sehr aufgeregt. Zwei Tage später, im Mai 1989 sind wir dann in einen anderen Stall umgezogen.

Dort war es erst sehr schön. Außer Sam und mir waren dort noch neun andere Pferde. Wir durften viel auf die Koppel und Sam ist ganz rund geworden, weil er plötzlich wieder anfing Heu zu fressen.

Im Januar 1990 wurde ich schlagartig sehr krank. Ich kam mit Verdacht auf schwere Kolik in eine Pferdeklinik. Später sagte der Tierarzt, dass meine Leberwerte schlimmer als die eines Alkoholikers waren, meine Darmflora völlig zusammengebrochen war und ich dadurch bedingt eine hochgradige Blutvergiftung hatte.

Ich stand drei Wochen in der Klinik und bekam viele, viele Infusionen und musste mehrmals täglich an den Tropf. Als ich wieder nach Hause durfte war ich noch lange Zeit recht schwach auf den Beinen und klapperdürr. Von dieser Zeit an habe ich ganz oft diese fiesen Bauchschmerzen gehabt, die unsere Chefin immer Krampfkolik nannte.

Mit der Zeit wurde es auf unserem Hof immer voller. Aus 11 Pferden waren 20 geworden und aus 20 wurden schließlich 40. Im Winter stand uns einen Halle von 20m × 40m zur Verfügung. Es war nicht mehr gemütlich, sondern überall nur noch eng.

Im Mai 1993 kam ein junges Mädchen und wir haben zu viert einen schönen langen Ausritt gemacht. Eine Woche später wurde Sam auf einen Hänger geladen. Als der Hänger vom Hof fuhr haben wir uns so laut zugerufen wie wir nur konnten, aber der Hänger entfernte sich immer weiter und weiter, bis wir uns nicht mehr hören konnten. Wir haben uns nie wieder gesehen. Ich habe zwei Tage lang nicht gefressen und meine Chefin war tagelang sehr traurig.

Im Septemer 1993 sind wir dann auf einen kleineren Hof umgezogen. Dort gab es außer mir noch 12 Pferde. Wir kamen dort im Wechsel zwei Stunden pro Tag je nach Jahreszeit entweder auf die Weide oder auf den Sandplatz. Das Futter war dort reichlich und lecker. Meine Chefin hat sich sehr gefreut, dass ich endlich wieder gut im Futter stand. Nur leider ist mir das Problem mit den Koliken geblieben und durch das viele Stehen in der Box wurden meine Hufe ganz schlecht und meine Beine fingen an anzulaufen.

Im Mai 1995 brachte mich meine Chefin bei einem Ausritt auf eine Koppel. Dort stand ein kleines, altes Shetty namens Benny. Weil Benny dort ganz alleine war suchte sein Besitzer jemanden für ihn zur Gesellschaft. Wir haben uns ganz dick angefreundet. Zwei Monate später kam meine Chefin mit einem kleinen Burschen an, den sie Pinokjo nannte und von dem wir erst gar nichst wissen wollten. Pinokjo war ein einjähriges Deutsches Reitpony und uns zwei älteren Herren einfach viel zu nervig. Zum Glück verschwand er dann wieder für ca. ein Jahr. Die Chefin sagte er wäre auf einer Hengstweide, auf der sich lauter Flegel in seinem Alter rumbalgen würden.

Adler und Pinokjo

Ich genoss die Zeit mit Benny auf der Koppel. Nur einmal bin ich, als Benny zu einen Spaziergang rausgeholt wurde, vor lauter Panik alleine bleiben zu müssen auf den Misthaufen geklettert und von dort aus über den Zaun gesprungen. Ich bin dann, weil ich Benny nirgendwo entdecken konnte zu dem nahegelegenen Reiterhof gelaufen, von dem mich meine Chefin gekauft hatte. Nach einiger Zeit kam sie auch angelaufen und hat mich wieder aus der Box herausgeholt, in die mich die Hofbesitzer gebracht hatten. Keine Minute zu früh übrigens, denn ich hatte schon fast das ganze Heu aufgefressen, dass mir ein freundlicher Mensch dort gab. Komischerweise hatte ich das Gefühl, dass sie irgendwie ungehalten war. Warum nur? Ich hatte sie doch mit einem freundlichen Wiehern begrüßt. Als sie dann aber die ganzen Kratzer und Schrammen sah, die ich mir durch den hinter dem Misthaufen wachsenden Kletterrosenstrauch zugezogen hatte, war sie wieder gnädig gestimmt.

So verging das erste Jahr, dass ich in meinem Offenstall verbrachte. Ich hatte seit ich draußen rumlaufen konnte wie es mir gefiel keine einzige Kolik mehr bekommen. Auch meine Hufe waren wieder gut in Schuß. Im Juli 1996 kam Pinokjo wieder und die Chefin hat meine Eisen abnehmen lassen, da ich mir die vorderen sowieso mehrmals selbst ausgezogen hatte. Sie sagte, dass ich so dem kleinen Pinokjo nicht gleich alle Knochen brechen würde, falls ich ihn mal treten sollte - Wo der doch viel zu flink war! Früher bekam ich sehr oft ein Hufgeschwür, sobald ich mal auf einen Stein trat, aber damit hatte ich nun keine Probleme mehr.

Adler und Pinokjo

Und dann im August 1996 kam sie! Mitten in der Nacht brachte die Chefin Galina, eine einjährige, dunkelbraune Vollblutstute. Gemeinerweise wurde Galina mit Pinokjo zusammen auf eine erst kurz zuvor angebaute Koppel gestellt. Benny und ich standen auf unserer alten Koppel. Aber Galina und ich standen trotzdem, so dicht es die Zaunstange zwischen uns zuließ, die ganze Nacht zusammen. Galina fing dann auch an ganz lecker zu riechen und ich fand das alles unglaublich aufregend!

Als die Chefin morgens zum Füttern kam, durfte ich das erste Mal zu Galina, ohne dass uns ein Zaun trennte. Aber Benny und Pinokjo wollten auch zu ihr und die musste ich natürlich erst einmal verjagen. Ich konnte es nicht dulden, dass sie sich ihr auf mehr als ca. 15m näherten. Am liebsten hätte ich auch die Chefin verjagt, aber sie hat sich vor mich gestellt und gesagt, dass ich mal nicht vergessen sollte wer hier das Sagen hat. Und außerdem sollte ich im Übereifer, nur weil die kleine Maus dort rossig wäre, mal nicht vergessen, dass ich ein Wallach wäre - Was sie wohl damit gemeint hat?

So verging ein weiteres Jahr. Pinokjo und Galina begleiteten uns immer abwechselnd ins Gelände.

Im Oktober 1997 musste ich wieder in die Pferdeklinik. Ich hatte am Penis zwei Geschwüre, die operativ entfernt wurden. Bei der Gewebeprobe stellte sich heraus, dass es sich teilweise um gutartige als auch bösartige Tumore handelte. Der Tierarzt hat meine Chefin damit getröstet, dass diese Krebsart nur nach außen wachsen würde und damit gut zu beobachten sei. Außerdem kannte er ein Pferd, das nach einer solchen Operation noch Jahre symptomfrei geblieben war. Ich war auch wieder ganz munter als ich zurück nach Hause kam.

Im Mai 1998 hatte ich zur Abwechslung mal eine Bänderentzündung. Da musste ich mal wieder seit langer Zeit für drei Monate in der Box stehen. Solange Galina bei mir stand war das ja auch in Ordnung. Aufgeregt habe ich mich nur, wenn sie sich von meiner Box entfernt hat. Da wurde dann vor unserer Weidehütte ein kleiner Paddock aufgebaut, so dass Galina sich ein bischen bewegen konnte und ich mich nicht zuviel. Als die Chefin wieder anfangen sollte mich minutenlang draußen zu führen, hat mich jemand aus unserem Paddock herausgelassen. Wir sind vor lauter Freude immer und immer wieder die Koppel hoch und runter gerannt. Abends hatte ich eine Sehnenentzündung. Die Chefin ist fast in Ohnmacht gefallen, als der Tierarzt die Diagnose stellte, und ich kam wieder für drei Monate mit Galina in den Paddock.

Im September 1998 kam dann unser bislang letzter Zugang. Eine zehnjährige Vollblutstute namens Zara. Eigentlich hätte sich besonders Galina über die neue Schimmelstute freuen sollen. Hatte sie es doch Zaras Anwesenheit zu verdanken, dass sie nicht mehr die vollen drei Monate mit mir auf dem Paddock stehen musste. Aber am glücklichsten war wohl die mittlerweile achtjährige Tochter unserer Chefin. Für sie war ursprünglich einmal Pony Pinokjo angeschafft worden, aber mit seinem Dickkopf und unbändigen Temperament wurde Vivien einfach nicht fertig. Zara war anfangs ganz nervös. Sie hatt die ersten Tage Angst in ihrer Weidehütte zu fressen, scheute vor allem und sah erbärmlich aus. Aber Vivien liebte sie von Anfang an und mittlerweile sind die beiden ein Herz und eine Seele.

Ich habe am 18.6.1999 meinen 21. Geburtstag gefeiert und bin zur Zeit so fit, dass ich sogar zwei- bis dreimal in der Woche mit ins Gelände raus darf.

Das war es fürs erste, es wiehert Euch einen freundlichen Gruß

 

der Schwarze Adler!

 

P. S.: Bei Gelegenheit lasse ich Euch wissen, was es bei uns für Neuigkeiten gibt!

 


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