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Wie beginne ich mit Natural Horsemanship?

Nun, alleine mit einem neuen Thema zu beginnen und sich Wissen und Können nur anhand von Büchern und Videos anzueignen ist eine meist sehr mühsame und frustrierende Sache. Schneller, besser, fehler- und rückschlagsärmer kommt man mit einem geeigneten Lehrer zum Ziel, wer wüsste dies nicht? Wobei dies natürlich keine Aufforderung sein soll die Bücher wegzulassen, sie sind sehr wertvoll für die Vertiefung und Verinnerlichung des Gelernten. Wie aber finde ich den geeigneten Lehrer? Auch hier müssen wir wieder enttäuschen, wenn man von uns eine konkrete Empfehlung erwartet! Warum? Zu Anfang haben wir schon auf die von Fall zu Fall individuellen Unterschiede hingewiesen. Ich habe eine jeweils individuelle, einmalige Kombination aus:

  • Individuellem, einzigartigem Reiter
  • Individuellem, einzigartigen Pferd
  • In Kombination ein individuelles, einzigartiges Paar
  • Und all das noch tagesform- und situationsabhängig

Wer glaubt ernsthaft, dass ein bestimmter Lehrer jedes beliebige Paar Reiter & Pferd gleich gut abdecken kann? Und dies ist der Grund, warum wir schlicht niemanden empfehlen können. Wir können lediglich die Lehrer benennen, mit denen wir gut zurecht kommen. Es bleibt aber die Aufgabe eines jeden herauszufinden ob deren Art zu unterrichten für ihn ebenfalls geeignet ist, oder ob hier etwas völlig anderes erforderlich ist. Ein paar allgemeine Bewertungsgrundlagen lassen sich aber durchaus nennen:

  • Ein guter Lehrer sollte kein Guru-Image pflegen. Man trifft hier häufig Menschen, die versuchen einen in eine Art Abhängigkeitsverhältnis zu ziehen. "Indem ich den Schüler von mir abhängig mache und ihn bis zu einem gewissen Grad dumm und unvermögend halte, sichere ich mir eine dauerhafte Einnahmequelle und solange der Schüler bewundernd zu mir aufschaut, bemerkt er davon nichts." - Ich will aber keinen Guru zum bewundern, ich möchte von einem Lehrer effektiv lernen, richtig? Also ab in die Wüste mit den Gurus!
  • Stattdessen wünsche ich mir von meinem Lehrer, dass er auch dem Schüler gegenüber Fehler und eigene Grenzen zugeben kann - Für einen Guru natürlich völlig undenkbar, aber gerade aus den (eigenen oder fremden) Fehlern kann ein Schüler extrem viel lernen!
  • Aus der oben erläuterten allumfassenden Individualität folgt unmittelbar, dass ein guter Lehrer jedes Pferd in Kombination mit jedem Schüler auch individuell verschieden und situationsabhängig unterrichtet und auf die jeweiligen Stärken und Schwächen dieses Pärchens eingeht. Es gibt kein allgemeingültiges Vorgehen! Es gibt viele Lehrer, die dies nicht leisten, sondern der Meinung sind "Ich habe meine Methode und damit bekomme ich jedes Pferd hin!" Sie werden eines Tages dem Pferd begegnen, das ihnen beweist, dass dies nicht so ist, sondern dass sie hier an einer Grenze ihres Könnens angekommen sind.
  • Ein guter Lehrer verbeißt sich nicht an einem Problem, sondern er probiert ein paar Mal einen Lösungsansatz. Stellt er fest, dass dies nicht zum Ziel führt, so hat er möglichst mehrere andere Methoden parat, sich dem Problem aus einer anderen Richtung zu nähern. Ein Verbeißen in einem Problem ("Das muss jetzt aber gehen!") ist auf die gleiche Art geistig hart, wie ein körperlich steifer Reiter eine harte Hand und ein klopfendes Bein hat. Unser Ziel soll aber Weichheit und Nachgiebigkeit sein!
  • Ein guter Lehrer hat ein intuitives Gefühl dafür, was richtig und was falsch ist - er fühlt es. Und er kann dem Schüler langfristig zeigen, wie er selber zum Fühlen kommt.
  • Ein guter Lehrer versucht immer in Richtung weniger Druck zu arbeiten und nicht in Richtung mehr.

Auch diese Punkteliste kann (und sollte) sicherlich erweitert werden. Mit persönlichen Anpassungen an die eigenen Bedürfnisse sollte man nun aber in eine Richtung suchen und bewerten können, die einen einen geeigneten Lehrer finden lässt.

 

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This page was last modified on 25/12/2015 from Sabine Brockamp