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Und es funktioniert doch

Wenn man mit Natural Horsemanship anfängt, werden sich sicher einige Zeitgenossen melden, die steif behaupten, Natural Horsemanship sei völliger Quatsch und es würde nicht funktionieren oder man käme auf andere Art besser zum Ziel. Wir wissen aber aus eigener Erfahrung, dass dies zumindest für uns nicht zutreffend ist! Vor ein paar Jahren hatte Zayana einen schweren Hängerunfall. Das mit zwei Pferden beladene Gespann rutschte in einen tiefen Graben, der Hänger stürzte um und die nun dort gefangenen, aufeinanderliegenden Pferde konnten nur mit viel Mühe befreit und gerettet werden:

Hängerunfall

Es verwundert sicher nicht, dass Zayana nach diesem Ereignis ein größeres Problem mit dem Pferdehänger entwickelte und sich nicht mehr verladen ließ. Wir hatten damals noch keine Ahnung von Natural Horsemanship und versuchten mit den üblichen Tricks das Pferd wieder auf den Hänger zu bekommen, z. B. indem wir begannen das Pferd im Hänger zu füttern und den Trog jedes Mal ein paar cm weiter herein stellten. Wir erreichten mit viel Mühe damit zwar, dass Zayana wieder auf den Hänger ging, sobald sich jedoch jemand hinten zeigte um die Stange einzuhängen, rannte sie mit aller Macht rückwärts aus dem Hänger heraus, an Fahren war also nicht zu denken! Eigentlich nicht verwunderlich, man kann ein Pferd nicht dauerhaft verarschen. Wäre es uns einmal gelungen die Stange zu schließen, das Pferd hätte beim nächsten Mal sicher gewußt was Sache ist und wäre nicht mehr zum Fressen in den Hänger gegangen! Die Sache war auf diese Weise also von Anbeginn an zum Scheitern verurteilt.

Jahre später haben wir das Thema Verladen dann doch wieder aufgegriffen und sind die Sache mit Natural Horsemanship angegangen. Ich habe natürlich nicht mehr versucht mit irgendwelchen Tricks zu arbeiten, sondern bin mit offenen Karten mit Zayana an den Hänger gegangen: "Ja, natürlich will ich dass du in den Hänger gehst und wir werden jetzt und hier daran arbeiten!" Hier galt es entsprechend vorsichtig vorzugehen, das Pferd hatte natürlich begründete Angst vor dem Hänger, wenn ich versucht hätte sie mit Gewalt innnerhalb einer bestimmten Zeit zu verladen, wäre der Schuss ganz sicher nach hinten losgegangen. Also gezielt den Druck für das Pferd herausnehmen.

 Zayana

Kein Futter, kein Leckerli, aber viel Zeit und viel Platz! Wir schauen mal, wie weit wir in welcher Zeit kommen und du darfst alles in Ruhe anschauen und untersuchen. Ich werde deine Angst respektieren und wir machen so langsam wie nötig, aber ich werde von dir durchaus Aufgaben wachsender Schwierigkeit verlangen, die du Schritt für Schritt meistern kannst! Vertraue mir: Es gibt hier keine Tricksereien und Geheimnisse, es gibt nur eine klare Ansage: Ich will dass du in den Hänger gehst und dort ruhig stehen bleibst, bis ich dir bedeute wieder herauszukommen.

 

Und es hat dann auch nicht sehr lange gedauert, bis wir Zayana wieder verladen und fahren konnten. Schritt für Schritt haben wir ihr beigebracht auf Kommando ohne Angst in den Hänger zu gehen und dort stehen zu bleiben, so dass man problemlos die Stange einhängen kann. Und beim Ausladen bleibt sie ohne Aufregung stehen, bis man in Ruhe die Stange entfernt hat und ihr bedeutet, dass sie jetzt herauskommen soll. Wenn ich mich recht erinnere, waren lediglich fünf Trainingseinheiten nötig, bis wir sie das erste Mal nach Jahren wieder fahren konnten. Und mittlerweile ist Hängerfahren für Zayana wieder genauso normal und unspektakulär, wie für all unsere anderen Pferde!

 

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This page was last modified on 25/12/2015 from Sabine Brockamp