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Erste Hilfe am Pferd
Zusammenfassung eines Vortrages von Dr. Fischer (Pferdeklinik Großwallstadt)
Wir konnten vor kurzem an einem Vortrag über "Erste Hilfe am Pferd" von Dr. Fischer teilnehmen. Wir haben uns fleißig Notizen gemacht und möchten diese hier zur Verfügung stellen, denn vielleicht sind sie hier oder da von Nutzen!
Um zu erkennen, ob ein Pferd krank ist und tierärztlich versorgt werden muss, oder vom Pfleger/Besitzer behandelt werden kann (bei kleinen Blessuren), muss man wissen, wodurch sich ein gesundes Pferd auszeichnet, um es von einem kranken unterscheiden zu können!
Es gibt vier Parameter anhand derer ein Tierarzt den Grad der Erkrankung gut einschätzen kann und einen sehr guten Hinweis auf die mögliche Diagnose erhält, falls diese vier Werte in verlässlicher Form überprüft wurden:
Es handelt sich hierbei um die drei PAT-Werte (Puls, Atmung und Temperatur) und die Farbe der Schleimhäute.
Die Normwerte bzw. Normalzustände sind:
- Puls: 28 – 40 Schläge pro Minute
- Atmung: 8 – 16 Atemzüge pro Minute (ein Atemzug = Einatmen & Ausatmen)
- Temperatur: 37,5 – 38,2°C
- Schleimhaut: Blassrosa Farbe
Die PAT-Werte beziehen sich auf ein durchschnittlich großes, gesundes, ausgewachsenes Pferd im Ruhezustand. Wenn das Pferd in Bewegung oder Aufregung ist, erhöhen sich die Werte. Auch bei Fohlen sind Die Ruhewerte höher als bei ausgewachsenen Tieren. Puls und Atmung sind zudem stark vom Trainingszustand abhängig. Leistungssportler (Vier- und Zweibeiner) haben deutlich niedrigere Werte als dauerhafte „Boxenhocker“ und „Couchpotatoes“.
Daher ist es wichtig die persönlichen Werte des Pferdes zu kennen, um das Ergebnis der Messung besser beurteilen zu können. Da man die Ruhewerte bestimmen möchte, sollte sich das Pferd auch mindestens seit einer halben Stunde vor der Messung in Ruhe befinden. Weichen die Messergebisse stark von den Normwerten ab, ist dies in jedem Fall ernst zu nehmen!
Richtig messen und beobachten:
Der Puls wird entweder mit einem Stethoskop seitlich hinter dem Ellenbogen abgehört und mitgezählt oder mit einem Finger an der Kiefereinbuchtung erfühlt und jeweils mitgezählt. Üblicherweise misst man 15 Sekunden lang und multipliziert die Zahl mit vier. Möchte man jedoch Unregelmäßigkeiten des Pulsschlages ausschließen sollte man mindestens eine Minute zählen.
Die Atmung ist schwieriger zu messen, da Pferde nicht immer gleichmäßig atmen. Sie schnuppern und schnäubeln, atmen mal tiefer und mal leichter. Deswegen ist es auch recht trügerisch die Nasenbewegungen zu beobachten, da sich diese meist häufiger bewegt, als das Pferd ein- und ausatmet. Eindeutiger ist es, die Flankenbewegungen mitzuzählen.
Die Temperatur misst man mit einem Fieberthermometer – möglichst keines mit Quecksilber - im After. Am besten sind Thermometer mit Schnur geeignet, da man sie am Schweif befestigen sollte. Nimmt man ein normales Thermometer ist darauf zu achten, dass es gut festgehalten wird! Nicht direkt nach dem Äppeln die Temperatur messen, da sie dann niedriger ist.
Die Schleimhaut inspiziert man am besten am Zahnfleisch. Sie sollte blassrosa sein. Es gibt drei Arten typischer Verfärbungen, die als deutliche Indikatoren für ein behandlungsbedürftiges Pferd sprechen:
- Bläuliche Verfärbung deutet auf eine Vergiftung hin
- Gelbliche Schleimhäute sind Anzeichen für Lebererkrankungen u. Stoffwechselprobleme
- Helle Schleimhäute deuten auf einen hohen Blutverlust hin
Auch über den Kreislaufzustand gibt das Zahnfleisch Auskunft. Drückt man mit dem Daumen oberhalb der Schneidezähne am Oberkiefer das Blut aus den Kapillaren (ca. zwei Sekunden drücken), so dass das Zahnfleisch hell aussieht, sollte es nach drei Sekunden wieder seine normale Farbe eingenommen haben. Andernfalls ist und der Blutdruck des Pferdes zu niedrig und der Kreislauf beeinträchtigt.
Einen weiteren Hinweis für eine mögliche Kreislaufschwäche auf Grund von Dehydration (gestörter Wasserhaushalt) bietet der „Hautfaltentest“. Hierzu greift man am Hals des Pferdes eine Hautfalte, zieht sie ein Stückchen vom Hals weg und beobachtet, wie lange es dauert bis von der Falte nichts mehr zu sehen ist. Länger als drei Sekunden sollte die Glättung nicht andauern, sonst hat das Pferd vermutlich zu wenig getrunken und/oder stark geschwitzt. Stark dehydrierte Pferde sehen sogar ohne diesen Test leicht faltig aus.
Gesamteindruck:
Ein weiteres Kriterium ist natürlich das gesamte Erscheinungsbild des Pferdes. Allerdings ist dieses oftmals für Personen, die mit dem Pferd enger vertraut sind einfacher zu beurteilen als für Außenstehende. Aber es gibt auch Merkmale, die objektiv zu beurteilen sind.
Merkmale eines gesunden Pferdes:
- Aufmerksamer und zufriedener Gesichtsausdruck
- Klare und glänzende Augen (ohne Ausfluss) mit rosafarbenen Schleimhäuten
- Entspanntes Ohrenspiel
- Glänzendes Fell ohne kahle Stellen
- Gleichmäßig fassförmiger Bauch
- Locker getragener/hängender und in der Bewegung pendelnder Schweif
- Entspannte Körperhaltung
- Klare Beine
- Normale Futteraufnahme
Merkmale eines kranken Pferdes:
- Wesensveränderung jeder Art (unruhig, apathisch, zurückgezogen, anhänglich, teilnahmslos...)
- Verändertes Trinkverhalten (viel mehr oder weniger als sonst)
- Änderung der Kotbeschaffenheit (Durchfall, sehr fester Kot)
- Trübe Augen, eventuell mit Ausfluss
- Zusammengekniffene Augen und Nüstern (Schmerzen?)
- Veränderte Schleimhäute
- Nasenausfluss – vor allem einseitiger, zäher, schleimiger
- Stumpfes Fell
- (Starkes) Schwitzen oder Frieren (Pferd zittert, fühlt sich evtl. sogar kühl an)
Wird fortgesetzt... |