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Weiden

Wenn man schon einen Offenstall besitzt, so wird dem stolzen Besitzer sicher daran gelegen sein, dass seine Pferde nach Möglichkeit nicht nur in ihren Paddocks herumlaufen können, sondern dass diese auch in den Genuss regelmäßiger Weidegänge kommen. Hierbei sind allerdings eine ganze Menge von Dingen zu beachten und eine Weide verursacht auch eine ganze Menge zusätzlicher Arbeit.

  • Man braucht eine Weide ausreichender Größe, wenn möglich in unmittelbarer Nähe des Stalls und ohne auf dem Weg dorthin dicht befahrene Straßen, Bahngleise, o. ä. überqueren zu müssen. Wenn man Glück hat, lässt sich irgendwo in der Nähe ein Landwirt breitschlagen ein kleines Stück Ackerland zu verpachten. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass es schon ein paar Quadratmeter sein sollten. Bei unseren acht Pferden sind die weniger als zwei Hektar Acker, die wir pachten konnten eigentlich noch zu wenig. Aber immerhin besser als gar nichts.
  • Die Weide muss natürlich - wie auch der Offenstall selbst - vernüftig eingezäunt sein, besonders wenn Straßen in unmittelbarer Nähe liegen, so dass man die Pferde dort auch mal ein paar Stunden unbeaufsichtigt Grasen lassen kann. Zum Thema Einzäunung haben wir ja bereits etwas geschrieben. Zusätzlich zur Außenumzäunung sollte man Zwischenzäune vorsehen, mit denen die Weide in kleinere Parzellen eingeteilt werden kann, oder um die Pferde in Weidegruppen aufteilen zu können. Die Zwischenzäune sollten nur aus Steckpfosten bestehen, so dass sie auch mal schnell versetzt oder entfernt werden können, z. B. weil einem der Bauer nebenan am Saisonende dankbarerweise mit seinem Traktor die Weide mulcht.
  • Da die zur Verfügung stehende Fläche meist knapp bemessen sein dürfte, ist man gezwungen die Beweidung zu rationieren. Das heißt Weidegang immer nur einige Stunden am Tag und immer nur auf einem Teil der Fläche, damit auf dem Rest das Gras nachwachsen kann. Man muss die Beweidung ebenfalls einstellen bzw. unterbrechen, wenn es die Witterung nicht zulässt, also z. B. wegen durch vielen Regen aufgeweichten Boden oder wenn es zu kalt ist, so dass die Pflanzen ihr Wachstum einstellen. Im Endeffekt läuft es natürlich darauf hinaus, dass irgendwann im Spätherbst die Weidesaison vorbei ist und erst im kommenden Frühjahr wieder aufgenommen wird.
  • Wenn die Pferde einige Stunden auf der Koppel stehen sollte man natürlich tunlichst nicht vergessen, ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen. Es gibt fahrbare Weidefässer mit Selbsttränke, die eine ganze Menge Wasser bevorraten können. Große Bottiche, die man täglich kontrolliert und auffüllt, tun's aber auch, gerade wenn die eigene Weide nicht so riesengroße ist.
  • Zu Beginn der Weidesaison schaut der verantwortungsbewußte Pferdebesitzer darauf, dass die Pferde vernünftig angeweidet werden. Also das tägliche Weidepensum langsam hochfahren anstatt die Pferde gleich den ganzen Tag auf die Weide zu stellen. Gerade zu Beginn und Ende der Vegetationsperiode in der kühleren Jahreszeit haben die Gräser teils einen hohen Fruktangehalt, es droht Rehegefahr! Bei leichtfuttrigen Pferden sollte der Besitzer auch immer einen Blick auf das Gewicht seines Lieblings haben, barocke Körperformen sollten auch bei Pferden nicht die Wunschfigur sein!
  • Ein wichtiges Thema: Bandwürmer. Die Eier der Würmer können über das Gras aufgenommen werden, es gilt also die Wurmgefahr klein zu halten. Hierzu gehört die regelmäßige, korrekte Entwurmung aller Pferde im Stall jeweils zu einem gemeinsamen Zeitpunkt. Hierzu gehört aber auch die sorgfältige Weidepflege, und das heißt regelmäßiges Abäppeln der beweideten Bereiche. Wir tun dies meist täglich nach jedem Weidegang. Idealerweise führt man auf seiner Weide eine Mischbeweidung durch, um die Wurmgefahr weiter einzudämmen, aber die wenigsten Menschen werden Zeit und Lust haben sich extra dafür zusätzlich noch ein Kuh zu halten.

Die Weidepflege ist überhaupt ein wichtiges Thema, sonst wird man recht schnell genauso wenig Freude an seinem Stück Wiese haben, wie die Pferde. Und die Weidepflege muss nachhaltig und konsequent betrieben werden, damit sie funktioniert. Als da wären:

  • Sofern man selber die nötige Gerätschaft nicht besitzt, sollte man nach Ende der Weisesaison einen greifbaren Landwirt bitten, die Weide mit seinem Traktor einmal abzumulchen. Wenn die Pflanzen die die Pferde verschmähen nicht durch Mischbeweidung abgefressen oder abgemulcht werden, breiten sie sich weiter aus und nach eins, zwei Jahren steht die ganze Weide z. B. voller Sauerampfer. Zwar nicht giftig, aber die Pferde fressen es nicht und diese Pflanzen breiten sich sehr, sehr stark aus und sind recht resistent gegen reines Abmähen. Hier hilft dann nur Ausstechen der z. T. unglaublich langen und großen Wurzeln. Von daher gilt es, unerwünschte Pflanzen auf der Weide von Beginn an klein zu halten.
  • Seinen Nachbarbauern sollte man ebenfalls bitten, die Weide außerhalb der Vegetationsperiode zu düngen. Zum einen damit das Gras Energie für das Wachstum zugeführt bekommt, zum anderen sind einige unerwünschte Pflanzen auf karges Nahrungsangebot angepasst und kommen mit einem reichlichen Nährstoffvorkommen nicht gut zurecht.
  • Die konsequente und unverzügliche Bekämpfung von giftigen Pflanzen darf auf keinen Fall vernachlässigt werden. Allen voran ist hier natürlich das berühmt-berüchtigte Jakobs-Kreuzkraut zu nennen, aber es gibt natürlich viele andere Pflanzen, die für Pferde giftig sind. Hier sollte man sich entsprechend kundlich machen. Pflanzen wie Jakobs-Kreuzkraut sollten unbedingt und umgehend vollständig ausgegraben (Handschuhe tragen und Hautkontakt meiden!) und entsorgt werden (Restmülltonne). Wichtig: In einigen Bundesländern ist Jakobs-Kreuzkraut mittlerweile meldepflichtig!
  • Und zu guter Letzt gehört zur Weidepflege leider auch die Beseitigung immer wiederkehrender Ärgernisse. Hunde, die von ihren Besitzern nicht daran gehindert werden auf die Weide zu laufen und dort ihr Geschäft verrichten, achtlos weggeworfener Müll, der vom Wind auf die Koppel geweht wird, ignorante, unwissende Leute, die ungeeignetes Futter auf die Weide werfen, etc., die Liste ließe sich lange fortsetzen. Auf all das ist routinemäßig zu achten und es muss entsprechend beseitigt werden, damit man auch dauerhaft etwas von seiner Weide hat.

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