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Sattelkammer

Auch im Offenstall gibt es immer Dinge zu lagern, die in einem regulären Stall in der Sattelkammer aufbewahrt würden. Über kurz oder lang kommt man um die Einrichtung eines solchen Platzes daher nicht umhin. Putzkästen, Halfter, Werkzeugkasten, Ersatzteile, Medikamente, usw., usf. - die Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen. Alles Dinge, die so aufbewahrt werden sollten, dass die Pferde keine Zugriffsmöglichkeit haben, und auch dass Fremde, die sich in unseren Stall "verirren" hier keine Unordnung und Unheil anrichten können. Die Sattelkammer kann ruhig klein sein, 2m² sind schon durchaus ausreichend, aber sie sollte sicher verschließ- und abschließbar sein. Sehr nützlich sind ein alter Hochschrank und/oder eine kleine Kommode um Ordnung halten zu können und einen Platz zu haben, wo man mal etwas abstellen kann. Es muss ja nicht unbedingt optisch super schön sein, vielleicht tut sich bei Oma im Keller oder beim nächsten Sperrmüll noch der ein oder andere gestandene Recke auf, der noch rüstig und funktionstüchtig ist, dann heißt es zugreifen! Wichtig für die Sattelkammer ist auch ein fester Boden, z. B. aus Waschbetonplatten oder Knochensteinen, dann muss man hier nicht auch noch im Matsch stehen und es ist nicht alles gleich vollgesaut, wenn mal etwas runterfällt.

Ein echtes Problem sind jedoch immer die Mäuse. Man kann die Kammer gar nicht so dicht machen, als dass diese Tiere nicht doch einen Weg hinein finden würden. Wir hatten in unserer Sattelkammer schon das Problem, dass ein Teil des mit Knochensteinen gepflasterten Bodens abgesackt ist, weil die Mäuse sich Gänge darunter gegraben und dort ein großes Nest angelegt hatten - gut geschützt vor jeder Katze! Man kommt also nicht umhin, ein paar Regeln zu beachten, um das leidige Mäuseproblem möglichst einzudämmen:

  • Die Kammer muss regelmäßig gesäubert werden, d. h. alle Schränke ausräumen und mit Desinfektionsmittel (z. B. Sagrotan) auswischen. Mäusekot ist nicht nur unhygienisch, sondern durch ihn können auch gefährliche Krankheiten wie z. B. Hantaviren auf den Menschen übertragen werden!
  • In der Kammer sollten auf keinen Fall Lebensmittel oder andere Ding aufbewahrt werden, die von Mäusen angefressen werden. Die hierdurch angelockten Tiere zerstören und verunreinigen dann weitere Dinge.
  • Alles was in der Kammer aufbewahrt werden soll oder muss und durch Mäusefraß bedroht ist, ist in geschützten, geschlossenen Behältern aufzubewahren, z. B. Glasflaschen, ausreichend dickwandige, fest verschlossene, fraßfeste Kunststoffbehälter, etc.
  • In der Kammer sollten unserer Erfahrung nach keine Köder mit Rattengift (Rodentizide) ausgelegt werden! Viele dieser Köder arbeiten mit Wirkstoffen, die die Blutgerinnung hemmen, Ratten und Mäuse sterben hierdurch mit einer Verzögerung von einigen Tagen an inneren Blutungen. Durch die Köder werden die Nager jedoch zusätzlich angelockt und in einem Offenstall gibt es genug "Nachschub", so dass man die Sattelkammer auf diesem Weg nicht nagerfrei bekommt, sondern diese im Gegenteil wegen der ausgelegten Köder verstärkt heimgesucht wird. Außerdem können sich Katzen oder andere Beutetiere die vergiftete Nager fressen hierdurch ebenfalls vergiften. Besser: Die gute, alte Mausefalle in der Kammer und eine Horde von Katzen draußen!

Vielleicht in diesem Zusammenhang noch eine Anekdote zum Thema "Rattenköder":

In einem uns bekannten Reitverein im Rhein-Main-Gebiet hat vor einigen Jahren ein Kammerjäger Rattengift ausgelegt, auch im Bereich der Pferdeboxen - "Kein Problem, die gehen da nicht dran!" Nach ein paar Tagen fiel jedoch auf, dass ein paar von den Ködern verschwunden waren und sich nichts über ihren Verbleib herausfinden ließ. Und natürlich ließ sich auch nicht ermitteln, ob entgegen der Aussage des Kammerjägers nicht doch eines der Pferde einen Köder gefressen hatte. Zur Sicherheit mussten daraufhin alle Pferde, die potentiell den Köder hätten fressen können mit dem Gegenmittel für Rattengift behandelt werden. Das Gegenmittel für Rattengift ist Vitamin K in hohen Dosen und für ein Pferd braucht man somit einiges davon! Das Resultat der Aktion war, dass sämtliche(!) Vorräte an Vitamin K aus ganz Hessen herangeschafft werden mussten, um die Pferde zu behandeln. Wir können also aus unserer Sicht nur empfehlen, im eigenen Offenstall die Finger von derartigen Giften zu lassen, sie lösen leider keine Probleme, schaffen im Extremfall aber neue!

Nun noch zu einem anderen Thema, aber leider zu einem noch leidigeren als die Mäuse! Diese Seite heißt mit Überschrift zwar "Sattelkammer" und wir empfehlen sich eine solche einzurichten. Man sollte jedoch auf keinen Fall der Devise "Nomen est omen" folgen und in der Sattelkammer des Offenstalls seine Sättel lagern! Man wird früher als einem lieb ist Bekanntschaft mit einem Sachverhalt machen, der von der Polizei als "schwerer Einbruchdiebstahl" bezeichnet wird. Man kommt eines Morgens zum Füttern in den Stall und findet seine Sattelkammer aufgebrochen vor, der Inhalt geplündert und die dort gelagerten Sättel auf Nimmerwiedersehen weg! Danach dann jede Menge Ärger mit der Hausratversicherung (wenn diese überhaupt deckt) und mit der Neubeschaffung der Sättel. Es gibt in Deutschland mittlerweile offenbar eine regelrechte Mafia, die sich auf Satteldiebstahl spezialisiert hat, durch die Lande marodiert und an Stellen die leichte Beute versprechen nachts zuschlägt. Hiervon sind allerdings durchaus nicht nur die kleinen, privaten Offenställe irgendwo auf dem freien Feld betroffen, sondern durchaus auch reguläre Reitställe, besonders wenn diese entsprechend abgelegen und nachts verwaist sind. Man hört alle Nas lang von einem neuen "Bruch" irgendwo in der Region, aufgeklärt wird so ein Fall selten. Wir können an dieser Stelle daher nur den Tipp geben, keinerlei teure Wertsachen dauerhaft in der Kammer zu lagern, insbesondere keine Sättel! Beißt in den sauren Apfel, nehmt abends euren Sattel mit nach Hause und bringt ihn beim nächsten Mal Reiten wieder mit. Punkt. Spätestens wenn auch eure Sattelkammertür eines Morgens unerwartet offen steht, werdet ihr dankbar sein, diesen Rat befolgt zu haben.

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