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Licht & Strom

Wer das Glück hat, in seinem Stall einen Stromanschluss zu besitzen, der kann diese Seite eigentlich überspringen und gleich zum nächsten Punkt gehen. Wer das Glück nicht hat, dem geht es so wie uns. Unser Stall ist mitten in den Feldern gelegen, von einem Elektrizitätsanschluß braucht man gar nicht erst träumen! Zu Anfang, wo wir noch deutlich weniger Pferde hatten, haben wir uns mit Taschenlampen und kleinen, batteriebetriebenen Lampen beholfen - mehr schlecht als recht. Man hat nicht viel gesehen und ständig waren die Batterien leer. Irgendwann kamen dann die ersten Kopflampen auf, die mit weißen LED's bestückt waren. Bei deutlich mehr Lichtausbeute haben diese Lampen signifikant weniger Strom verbraucht und sie wogen auch noch sehr viel weniger. Ein Satz Akkus in die Lampe und man konnte einige Tage damit im Stall tätig werden. Und man hatte dank der Kopflampe beide Hände frei und das Licht immer genau dort wo man hinsah. Eine echte Erleichterung! Seit einigen wenigen Jahren hat sich die Situation allerdings noch weiter verbessert:

Zum einen haben LED's einen gigantischen Leistungssprung hingelegt. Aus nur einer einzigen Mignonzelle (AA-Batterie) holt eine moderne Lampe weit über 200 Lumen Lichtstrom aus nur einer einzigen Hochleistungs-LED. Wir verwenden mittlerweile Kopflampen der Fa. Zebralight. Diese sind zwar relativ teuer, in der Qualität aber auch kein Vergleich zur Billigkopflampe aus dem Supermarkt um die Ecke. Die Lampen haben ein komplettes Aluminiumgehäuse, sind wasserdicht, klein und leichtgewichtig, kommen mit einem angenehm zu tragenden Stirnband - und geben ein Mordslicht ab. Eine riesige Arbeitserleichterung! Es gibt natürlich noch hellere Lampen - diese sind dann allerdings auch größer, schwerer und benötigen mehr Batterien - und viele andere Hersteller von Hochleistungslampen, die ebenfalls exzellente Lampen herstellen. Hier muss jeder schauen, womit er am besten zurechtkommt. Für den eigenen Offenstall kommt man aber kaum um die Anschaffung zumindest einer einfachen Lampe herum. Im Bild unten sind zwei der von uns genutzten Lampen zu sehen. Man kann gut erkennen, dass die Lampen kaum größer sind als als eine Mignonbatterie, kleiner geht praktisch nicht mehr.

Zebralight Kopflampen

Zum anderen sind mit dem Solarboom der letzten Jahre Solarpanele leistungsfähig und preiswert genug geworden, so dass sich mit vertretbarem Aufwand eine kleine Insellösung realisieren lässt. So haben auch wir vor einiger Zeit in eine solche Anlage investiert, die nun unseren Stall beleuchtet und das Weidezaungerät versorgt. Die Anlage besteht aus folgenden Teilen:

  • Das Solarpanel selbst. Wir verwenden einen Typ, der eigentlich für die Netzeinspeisung konzipiert wurde. Dies stellt aber kein unüberwindbares Problem für eine Insellösung dar und hat den Vorteil, dass das Panel eine recht hohe Ausgangsleistung von in unserem Fall z. B. bis zu 240W hat, an Sonnentagen steht also üppig Leistung zur Verfügung.
  • Ein Laderegler für eine 12V Batterie. Hier ist ein Typ nötig, der für die hohe Ausgangsspannung des zuvor genannten Solarpanels geeignet ist. Es empfiehlt sich weiterhin einen sogenannten MPPT-Regler zu verwenden (MPPT = Maximum Power Point Tracking). Dieser Reglertyp ermittelt fortwährend den optimalen Betriebspunkt des Solarpanels, so dass immer die maximal mögliche Energie zum Laden der Batterie verfügbar ist.
  • Ein 12V Bleisäureakkumulator. Im Prinzip ist dies nichts sonderlich anderes als eine banale Autobatterie. Allerdings empfiehlt sich die Verwendung einer sogennannten AGM-Batterie (Absorbent Glass Mat). Bei dieser Bauform wird die leistungsmindernde Säureschichtung vermieden, wie sie bei einer normalen Autobatterie auftreten kann, wenn sie nicht bewegt wird. Die Batterie dient als Zwischenspeicher der tagsüber eingesammelten Sonnenenergie. Mit einer Kapazität von ca. 100Ah kommt man recht weit.
  • Eine effiziente Beleuchtung, wir nutzen hier ausschließlich LED's. Diese sind mittlerweile sehr preiswert geworden, sehr robust, in wasserdichter Ausführung erhältlich (IP65 oder sogar IP67), können in der entsprechenden Variante direkt an einer 12V-Stromversorgung betrieben werden und haben mittlerweile eine Lichtausbeute erreicht, die der von Quecksilberdampflampen gleichkommt oder sogar übertrifft.

Hiermit können wir ganzjährig den gesamten Stall an allen wichtigen Stellen beleuchten. Die Auslegung als 12V-Anlage hat weiterhin den Vorteil, dass preiswerte Komponenten aus dem KFZ-Sektor eingesetzt werden können. Wir verwenden zwei verschiedene Typen von LED-Leuchten, zu sehen auf den Bildern unten. Die linke Variante arbeitet als Punktstrahler mit vier LED's. Drei davon in jeder Box ergeben eine ausreichende Helligkeit, so dass man dort z. B. problemlos misten kann und keine unbeleuchteten Schattenstellen hat. Die rechte Variante ist eine kleine, flexible Leiste mit 15 Einzel-LED's. Man erhält eine verteiltere Lichtabstrahlung als bei den zuvor erläuterten Spots und eine Ausleuchtung wie sie in etwa einer kleinen Leuchtstoffröhre entspricht. Wir nutzen diese Leisten als Beleuchtung für unsere Vorratskammer und als Außenbeleuchtung vor den Boxen. Hiermit ist auch nachts z. B. ein Putzen der Pferde gut möglich.

Die beiden nächsten Bilder zeigen welche Helligkeit man ggf. von einer solchen Beleuchtung erwarten kann. Die Aufnahmen wurden wie man erkennen kann tagsüber gemacht, so dass man eine grobe Idee von der Leuchtstärke erhält.

Die verlegten Leitungen zum Anschluß der Leuchtkörper sind ganz normale Netzkabel NYM-J 3x1,5 oder NYM-J 5x1,5 für die Hausinstallation. Diese lassen sich mit Wago-Klemmen leicht und sicher verdrahten (deutlich besser als mit Lüsterklemmen), wer will steckt die Klemmstellen noch in eine Aufputzdose. Auch die verwendeten Schalter sind übliche Ausführungen für 230V~, diese funktionieren auch bei 12V= völlig problemlos.

Als vorerst Letztes aber noch ein paar wichtige und ernst zu nehmende Hinweise an dieser Stelle:

  • Die Speicherbatterie der Solaranlage ist unbedingt über eine entsprechend ausgelegte Sicherung möglichst dicht an der Batterie abzusichern. Ein Bleiakkumulator kann im Kurzschlußfall trotz der im Vergleich zum regulären Stromnetz recht geringen Batteriespannung einen sehr hohen Kurzschlußstrom von durchaus weit über 200A liefern. Dies ist eine Stromstärke, wie sie beim Schweißen auftritt und kann in dieser Konstellation schnell z. B. zu einem Kabelbrand führen. Ruck Zuck steht der Offenstall lichterloh in Flammen!
  • Auch eine als Insellösung ausgelegte Solaranlage ist eine konventionelle Elektroinstallation und sollte daher entsprechend fachmännisch ausgeführt werden. Wer sich hier nicht entsprechend auskennt und z. B. mit den obigen Bezeichnungen wie NYM-J 3x1,5 nichts anfangen kann, dem sei eindringlich ans Herz gelegt, einen kundigen Fachmann zu Rate zu ziehen und diesem die Installation zu überlassen!
  • Selbstverständlich sollten alle Bestandteile der Elektroinstallation so verlegt werden, dass die Pferde zu keiner Zeit eine Möglichkeit haben, diese näher zu inspizieren oder gar daran herumzuknabbern! Die von uns in den Boxen verlegten Leitungen für die Beleuchtung sind z. B. ausnahmslos an den Decken verlegt, die für die Tiere unerreichbar sind. Die restliche Installation wie Speicherbatterie, Laderegler, etc. befindet sich in abgeschlossenen Gehäusen in Bereichen unseres Stalls, die für die Pferde nicht zugänglich sind.
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