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Hufbeschlag

HorseshoeHorseshoeZum Thema Hufbeschlag können wir eigentlich nur sehr wenig sagen - unsere Pferde laufen alle barhuf! Aber mal Schritt für Schritt: Wer seine Pferde beschlagen lässt, der sollte sich der Tatsache bewußt sein, dass er damit den Hufmechanismus seiner Tiere einschränkt. Um diesen Effekt zu minimieren werden Hufeisen vom Schmied zwar nur vorne genagelt und nicht an den Seiten, aber vorhanden ist diese Einschränkung weiterhin. Daraus sollte man schließen, dass ein Pferd wenn möglich barhuf gehen und nur dann beschlagen werden sollte, wenn dies zwingend nötig ist. Schaut man sich den Status Quo an, dann wird man feststellen, dass die allermeisten Pferde beschlagen sind - warum ist das so? Nun, hierfür gibt es vermutlich eine ganze Reihe von Gründen:

  • Es gibt Pferde, die haben einfach aus ihrer Zuchtlinie heraus oder aufgrund von Veranlagung schlechtes Hufhorn. Hier kommt man um einen Beschlagen wahrscheinlich nicht herum.
  • Wenn ich mein Pferd sehr viel auf schlechtem Terrain bewege, z. B. als Kutschpferd überwiegend auf Asphalt, dann ist ein Beschlag meist auch unvermeidbar.
  • So manches Pferd steht durchgehend in einer schlecht gemisteten Box, vielleicht sogar mit Matrazeneinstreu. Das durch den vielen Mist umfangreich entstehende Ammoniak greift das Hufhorn an, es wird weich und bröselig. Hier ließe sich Abhilfe schaffen, indem man das Pferd anders aufstellt, z. B. in eine saubere Paddockbox. Nach einer Weile (~½ Jahr) ist das Hufhorn in besserer Qualität nachgewachsen und man könnte die Eisen entfernen. Das dies nicht passiert muss man wohl dem Besitzer anlasten.
  • Einige Schmiede haben leider immer noch nur wenig Erfahrung mit Barhufgängern. Gelegentlich werden die Pferde dann so ausgeschnitten, dass der Huf zwangsläufig ausbrechen muss, weil sich z. B. Kerbkräfte am Tragrand aufbauen. Oder es wird undifferenziert grundsätzlich zu Eisen geraten, oder das Eisen wird mit der Korrektur eines Stellungsfehlers gerechtfertigt. Um einen Stellungsfehler zu korrigieren kann man aber auch den Huf selber so bearbeiten, dass das Pferd anders steht, richtig*? Man beachte auch, dass sich ein beschlagener Huf über die Tragzeit des Eisens ungleichmäßig abnutzt! Vorne wegen der Nagelung wenig bis gar nicht, weiter hinten reibt der Tragrand wegen des noch eingeschränkt funktionierenden Hufmechanismus' auf dem Stahl des Beschlags und nutzt sich ab. Die Hufstellung verändert sich also mit der Zeit, der Huf kippt nach hinten ab und muss bei jedem Neubeschlag aufs Neue korrigiert werden.
  • Dann gibt es die Kategorie des ungeduldigen Besitzers. Hat das Pferd sehr lange Eisen getragen, dann ist das Hornmaterial oft von ungenügender Qualität. Es fehlt der haptische Anreiz zum Hornwachstum und die Natur fährt ihre Aufwände herunter. Macht man dann die Eisen runter, bricht erstmal Horn aus und der Besitzer sagt "Es geht bei meinem Pferd nicht". Hier hieße es stattdessen Geduld haben und das Pferd eine Weile weniger oder nur auf weichem Boden reiten. Nach ca. ½ Jahr ist vom Kronrand aus kräftiges Horn nachgewachsen und die brüchigen Hufe finden ihr Ende. Während dieser Zeit wird man vielleicht außerdem von Stallkollegen und -kolleginnen bedrängt werden, wie man so mit seinem Pferd umgehen könne. Hier heißt es sachlich bleiben und Selbstbewusstsein beweisen.
  • Und zuletzt ist da noch der Grund Unwissenheit. Viele Besitzer haben sich schlicht noch keine Gedanken zu dem Thema gemacht, "Alle Pferde sind doch beschlagen, also lasse ich meines auch beschlagen. Und mein Schmied sagt auch, das gehört so." Wir können an dieser Stelle als generelle Richtlinie nur empfehlen: Kampf der Unwissenheit! Das was ich mit meinem Pferd mache/machen lasse, will ich verstehen und logisch plausibel begründet wissen. Es muss außerdem in einen größeren Sinnzusammenhang passen - Reitkunst. Wenn das nicht gegeben ist, hinterfrage ich die Dinge und schaue ob jemand imstande ist eine Aussage mit Sinn und Zweck zu untermauern.

Vielleicht entschließt sich der ein oder andere nach diesen Worten nun doch zu einem Barhuf-Versuch mit seinem Pferd. Barhufpferde haben neben dem unbehinderten Hufmechanismus den Vorteil, dass die Verletzungsgefahr bei kleinen Rangeleien wie sie immer mal wieder in einem Offenstall vorkommen wesentlich kleiner ist.

          

* Dies ist natürlich nicht 100%ig zutreffend! Man stelle sich beispielsweise einen Huf vor, der zu flach steht und steiler gestellt werden müsste. Bei einem Barhuf ist dies natürlich nur möglich indem man die Zehe kürzt. Falls diese aber bereits so wenig Material hat, dass das Pferd nach dem Einkürzen lahmen würde, hat man ein Problem bei der Umsetzung. Bei einem Beschlag hingegen kann man anstatt vorne Material wegzunehmen hinten mit einem entsprechenden Eisen etwas unterbauen. Ein Beschlag bietet also mehr Möglichkeiten zur Korrektur als ein Barhuf und von daher gibt es durchaus Situationen/Hufprobleme in denen ein Beschlag recht unvermeidlich wird, zumindest für die Zeit der durchzuführenden Korrektur.

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