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Futter & Wasser

Futter und Wasser ist natürlich ein sehr wichtiges Thema für den Pferdebesitzer! Es muss in ausreichender Menge verfügbar sein, eine hohe Qualität besitzen und entsprechend gelagert werden. Im eigenen Offenstall ist man dafür selbst verantwortlich und das bedeutet zuerst einmal ein ordentliches Stück Arbeit. Außer dem "üblichen" Heu, Stroh und Hafer gibt es noch eine ganze Menge an anderen Futtermitteln, z. B. diverse Müslies, Heucobs, Luzerne, Pelletts und viele weitere. Hierzu können wir nur sehr wenig sagen, da unsere Pferde solche Futter nicht bekommen. Araber sind recht genügsam und leichtfuttrig, so dass sie mit den klassischen Drei sehr gut auskommen. Wir füttern ansonsten nur bei Bedarf spezielle Ergänzungsfuttermittel zu, wie z. B. Plantagines für die Atemwege. Außerdem sollte man seinen Pferden einen Salzleckstein zur Verfügung stellen. Im einzelnen:

 

Heu

Zur "Bauform": Heu kann man in Form von Rundballen, Quaderballen und HD-Ballen bekommen. Letztere sind - aufgrund der damit verbundenen größeren Arbeit bei der Herstellung - mittlerweile zum Teil recht schlecht verfügbar, die Bauern haben oft auf andere Maschinen umgestellt. HD-Ballen sind für den Offenstallbesitzer ohne Maschinen wegen ihres geringen Gewichts aber eigentlich am besten zu handhaben und sie lassen sich platzsparend einlagern. Rundballen sind ohne Werkzeug noch handhabbar, da sie sich an den "Einsatzort" rollen lassen, was zu zweit noch ganz gut geht. Quaderballen sind ohne Maschinen praktisch nicht handhabbar und scheiden daher für den Offenstall weitgehend aus.

Dann muss natürlich die Qualität stimmen: Es dürfen keinesfalls Giftpflanzen wie z. B. Jakobs-Kreuzkraut, Herbstzeitlose, etc. eingepresst sein. Viele Giftpflanzen verlieren durch die Trocknung im Heu ihren bitteren Geschmack, der die Pferde im Grünzustand vom Verzehr abhält, behalten aber ihre Giftstoffe, so dass diese mit dem Heu aufgenommen werden. Falls man etwas stark giftiges in seinem Heu entdeckt gilt: Das Heu keinesfalls verfüttern, umgehend den Lieferanten wechseln. Im Heu sollten ebenfalls keine Schimmelstellen vorhanden sein. Und man glaube auch nicht Bekundungen wie "Die Kühe fressen es doch auch" oder "Da macht man die äußere Schicht ab und darunter ist dann gutes Heu". Es is seit geraumer Zeit nachgewiesen, dass die Schimmelsporen eines gammeligen Ballens auch in den augenscheinlich noch guten Bereichen des Ballens sitzen und dass sie für Pferde genauso ungesund sind wie für Menschen. Hier gilt also: Ab mit dem ganzen Ding auf den Mist und wenn man häufiger verschimmelte Ballen hat ebenfalls den Lieferanten wechseln. Dann gibt es noch Qualitätsunterschiede, die zwar kein direktes KO-Kriterium darstellen, die aber ebenfalls problematisch sind. Da fressen die Pferde einen augenscheinlich gut aussehenden und riechenden Ballen aus unerfindlichen Gründen einfach nicht. Oder das Heu ist unglaublich staubig. Oder es ist viel unnützes Zeug mit eingemäht, was die Pferde nicht fressen. Das ganze schwankt dann auch noch von Ernte zu Ernte, gab's ein schlechtes Heujahr wie neulich, dann wird man sich mangels Verfügbarkeit auch mit schlechterem Heu zufrieden geben müssen, während man in guten Jahren nach Qualität auswählen kann. Gut ist es, wenn man mit der Zeit einen guten, verlässlichen Landwirt gefunden hat, bei dem man weiß, dass er gutes Heu liefert.

 

Stroh

Für Stroh gilt im Prinzip ähnliches wie für's Heu, sowohl was die "Bauform" angeht, wie auch was die Qualität betrifft. Wenn man Stroh als Eintreu für die Boxen verwendet, wird ein ganzer Teil davon von den Pferden mitgefressen, so dass diese Kriterien durchaus legitim sind. Beim Stroh braucht man sich normalerweise zum Glück keine Gedanken über Giftpflanzen machen, der herstellende Landwirt wird schon aus Eigeninteresse darauf achten, dass so etwas nicht auf seinem Getreideacker wächst. Aber verschimmeltes Stroh ist genauso zu meiden, wie schimmeliges Heu. Auch wenn manches Pferd das Stroh nicht mitfrisst, so werden die Sporen beim Herumwühlen in der Einstreu doch aufgewirbelt und belasten das Atemsystem von Tier und Mensch. Auch hier gilt also: Hände weg von irgendwelcher Gammelware! Es gibt leider viele Landwirte, die zwar prinzipiell gutes Stroh und Heu machen, denen aber entweder die entsprechende Lagerfläche fehlt oder denen die Qualität nicht so wichtig zu sein scheint ("Die Kühe...", siehe oben). Da liegen dann frisch verpresste Ballen tage-, manchmal auch wochenlang draußen herum und bei schlechtem Wetter regnet es öfters mal drauf. Besser wird die Qualität davon bestimmt nicht und wir verstehen nicht so recht, warum die Heu- und Strohernte nicht zügig eingefahren wird. Vielfach sieht man Ballen auf Äckern aufgestapelt und mit Planen abgedeckt, meist weil die Lagerfläche fehlt. Hier bleibt zu hoffen, dass richtig gearbeitet worden ist, sprich die unteren Ballen nicht direkt in den Dreck gesetzt wurden und die Plane keine Löcher hat, in die es dann doch reinregnet. Mit abgeplanten Ballen hat man jedenfalls ein größeres Risiko, dass etwas nicht stimmt, als wenn man einen Landwirt auftut, der genügend Scheunenraum hat. Wenn die Ballen hier im Trockenen stehen und auf Paletten als Feuchtigkeitsschutz nach unten hin sitzen (vor allem gegen Kondensationsfeuchtigkeit durch Temperaturschwankungen), dann ist das schonmal die halbe Miete. Wir haben leider auch schon richtig schlechte Gegenbeispiele zu guter Lagerung gesehen: Notdürftig abgeplante Heuballen auf einem abschüssigen Acker, die Plane zu kurz für die endständigen Ballen, die unteren Reihen direkt in den Dreck gesetzt und auf dem abschüssigen Hang lief auch noch ein regelrechter Bach mitten durch das Heulager - "Nein, danke, wir suchen dann mal woanders weiter" - "Aber wieso denn? Die Kühe..." Es gibt darüberhinaus tatsächlich Zeitgenossen, die richtig sauer werden können, wenn man ihnen kund tut, dass man von der angebotenen Qualität nicht angetan ist und sich anderweitig umsehen möchte!

 

Hafer

Auch beim Hafer gibt es natürlich Qualitätsunterschiede. Wenn man z. B. Hafer bei der Raiffeisen kauft, dann bekommt man sehr gute Qualität, gereinigt, staubarm, keine Verunreinigungen mit Fremdkörpern - der Preis ist verständlicherweise allerdings auch höher als beim Landwirt um die Ecke. Aber auch beim Bauern um die Ecke kann man durchaus gute Qualität erhalten. Man sollte darauf achten, dass der Hafer nicht zu sehr mit Staub versetzt ist (ein geringer Staubanteil ist ohne speziellen Reinigungsprozess unvermeidlich). Außerdem sollten natürlich keine Fremdkörper enthalten sein (z. B. tote Käfer, alles schon erlebt!). Ganz wichtig: Auch hier hat weder Schimmel oder gar das giftige Mutterkorn etwas verloren. Dann zur oft gestellten Frage gequetschter oder ungequetschter Hafer: Es wird oft empfohlen gequetschten Hafer zu verfüttern, weil dieser besser verdaulich sei und die Nährstoffe besser aufgeschlossen werden könnten. Nach neueren Erkenntnissen ist dieser Effekt aber bei weitem nicht so stark ausgeprägt wie behauptet wird. Gequetschter Hafer hat aber den großen Nachteil, dass er sehr, sehr schnell verdirbt. Wenn man also keine Möglichkeit hat, seinen Pferden den Hafer täglich frisch unmittelbar vor der Verfütterung zu quetschen, dann sollte man davon unbedingt die Finger lassen. Hafer sollte daher grundsätzlich nicht gequetscht gekauft werden. Seinen Hafer sollte man im Stall unbedingt geschützt vor Mäusen einlagern. Wir benutzen hierzu die typischen blauen Kunststoffgartenfässer, die mit einem Deckel und via Spannband sicher verschlossen werden können, aber hier gibt es natürlich viele weitere Möglichkeiten.

 

Wasser

Sauberes Wasser sollte den Pferden ständig in ausreichender Menge frei verfügbar sein. Ohne Wasseranschluß im eigenen Offenstall muss das Wasser jedoch beigeschafft werden. Hier gibt es zum einen die Möglichkeit sich einen Brunnen bohren zu lassen. Man stelle sich hier keinen konventionellen Brunnen mit einem Durchmesser von einem Meter oder so vor. Es handelt sich vielmehr um ein Bohrloch mit einem relativ kleinem Durchmesser. Abhängig von der nötigen Bohrtiefe um auf Grundwasser zu stoßen sind hierzu jedoch teils erhebliche Kosten zu erwarten, die sich im Vorfeld auch nicht gut abschätzen lassen. Und dann benötigt man Strom um das Wasser mit einer Pumpe aus entsprechender Tiefe zu fördern. Meist wird man deutlich tiefer als ein paar wenige Meter bohren müssen, so dass ein Ansaugen des Grundwassers ausscheidet und die Pumpe in den Brunnen abgelassen werden muss. Das Ganze ist also recht teuer und aufwändig und da wir lange, lange Jahre gar keinen Strom in unserem Offenstall hatten, schied eine Brunnen eh aus. Das Wasser wäre zwar da gewesen, aber es bestand keine Fördermöglichkeit. Wir haben uns daher für die zweite Alternative entschieden, wir bringen das Wasser von zu hause mit, was mit einem gewissen nicht zu unterschätzenden Aufwand verbunden ist. Glücklicherweise haben wir eine Tiefgarage mit einem Autowaschplatz an dem wir Wasser entnehmen können. Damit befüllen wir zum einen einen fahrbaren Weideanhänger mit Selbsttränke und einem Fassungsvermögen von 1m3 den wir uns vor Jahren gekauft haben. Eine Füllung reicht bei unseren genügsamen Pferde bis zu fünf Tage aus. Zum anderen lassen sich an unserer Wasserstelle im Kofferraum platzierte Eimer und Tonnen gut auffüllen, dies spart eine ganze Menge Schlepperei! Wer den Luxus einer hausinternen Zapfstelle leider nicht hat, muss auf einen Gartenschlauch ausweichen. An unseren Weidehütten haben wir außerdem Regenrinnen montiert, Regenwasser leiten wir darüber in Tonnen und Bottiche. Zumindest einen Teil des Wasserbedarfs der Tiere kann man dann mit dem aufgefangenen Regenwasser abdecken. Am kritischsten ist die Wasserversorgung allerdings in kalten Wintern. Da die Selbsttränken nicht beheizt sind, frieren diese irgendwann unvermeidlich auf. Ab diesem Zeitpunkt muss man dann auf die Versorgung über Bottiche ausweichen, die natürlich ebenfalls schnell auffríeren. Also heißt es jeden Morgen und Abend Eis aufhacken und frisches Wasser öfter und dafür in kleineren Mengen heranschaffen. Am Ende des Winters ist man dann ziemlich froh, wenn die Frostperiode endlich ein Ende hat!

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